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Druckluftschleifer macht als Freischneider vor Chemiewerken selbst Brombeeren den Garaus

2007-02-15

Mit einem umgebauten Druckluftschleifer von Atlas Copco mäht ein belgischer Landschaftsgärtner die Wiesen rund um Chemiewerke und andere Gefahrenzonen. Zweitakt-Benzinmotoren sind in dieser Umgebung tabu, und die Arbeit mit Sichel und Sense ist bei großen Flächen zu mühsam.

Ein Dröhnen liegt in der Luft, über dicken Rohrleitungen flirrt die Hitze. Ventile pfeifen. Hier und da entweicht zischend Dampf. Ein leises Summen mischt sich in die wummernde Kulisse. Grasbüschel wirbeln auf: Chris Verheyen ist in die verbotene Zone der petrochemischen Anlage eingedrungen – um Rasen zu mähen.

Damit der zum Anwohnerschutz gepflanzte Grüngürtel nicht in Wildwuchs ausartet und die Natur den Leitungen, Tanks, Verdampfern und Gaswäschern nicht zu nahe kommt, schneidet der Landschaftsgärtner die Vegetation mit einer Art Motorsense zurück. „Hier an den Spaltanlagen herrscht Explosionsgefahr“, weiß Verheyen, der sich auf die Grünpflege in kritischen Bereichen spezialisiert hat. Mit Elektro- oder Verbrennungsmotor betriebene Mähwerkzeuge dürfen dort auf keinen Fall eingesetzt werden. Sie könnten die auftretenden Gas-Luft-Gemische zünden, was verheerende Folgen hätte.

Weil dem 37-jährigen Unternehmer das Mähen von Hand unter all den Rohren und Leitungen zu mühsam war und obendrein sehr viel Zeit in Anspruch nahm, machte er sich auf die Suche nach einem explosionssicheren Mähwerkzeug. Dabei stellte er fest, dass seine Anwendung wohl zu speziell sei, denn „kein einziger Hersteller hatte eine Lösung anzubieten“. Dennoch blieb Verheyen hartnäckig und fand im Inhaber des Gartenbau-Fachmarkts Boons-Steegmans einen versierten Partner: Zufällig hatte Geert Boons von den Atlas-Copco-Druckluftschleifern der LSS-Bauart gehört, deren Drehzahl gegenüber herkömmlichen Schleifmaschinen unter Last nicht abfällt. Ein automatischer Konstantregler sorgt bei diesen Modellen stets für optimale Motorleistung und Drehzahl. Wenn es nur gelänge, einen solchen Schleifer statt des Zweitakt-Benzinmotors in einen Freischneider zu integrieren …

Nylonschnur statt Schleifscheibe – „No risks, no sparks“

Geert Boons’ Ehrgeiz war geweckt und Chris Verheyen von dem skizzierten Entwurf so angetan, dass er sofort den Auftrag zum Bau dieses Spezialwerkzeugs erteilte. Das Kernstück der neuen Maschine, ein LSS-53-Schleifer mit 1,2 Kilowatt (kW) Abgabeleistung (und damit den üblicherweise eingesetzten Verbrennungsmotoren ebenbürtig), büßte zunächst seinen Starterhandgriff ein. Und dort, wo normalerweise die Schleifscheiben aufgespannt werden, flanschte Boons eine Welle zum Antrieb des Mähwerks an. Dieses hat statt der üblichen Stahlmesser eine Nylonschnur, so dass der Kontakt mit Steinen oder anderen Fremdkörpern beim Mähen keine Funken verursachen kann. Der Startergriff wurde schließlich einen halben Meter unterhalb seiner ursprünglichen Position wieder befestigt. Erste Probeläufe zeigten, dass sich das neue Werkzeug so besser führen lässt.

50 % höhere Schnittleistung, keine Rückenschmerzen mehr

Inzwischen kann sich Chris Verheyen den Arbeitsalltag ohne seinen „Bushcutter“ genannten Freischneider nicht mehr vorstellen, arbeitet er mit ihm doch gut um die Hälfte schneller als zuvor mit Sichel und Sense. Damit hat sich der Druckluft-Freischneider schon in den ersten zwei Monaten bezahlt gemacht – auch wenn er doppelt so viel kostete wie ein Großserien-Zweitaktmäher.

Gegen die konstant mit 6000 Umdrehungen pro Minute rotierende Nylonschnur haben selbst Brennnesseln und Brombeerbüsche keine Chance. Und die Energieversorgung klappt sowieso. Luft ist in Chemiebetrieben als eigensichere Energie praktisch überall vorhanden, „so dass ich meinen Freischneider einfach per Verlängerungsschlauch an jeder Stelle im Werksgelände einsetzen kann“. Es hatte zwar ein paar Tage gedauert, bis Verheyen daran gewöhnt war, an der langen Leine zu arbeiten; dafür ermöglicht die durch den Schlauch herangeführte Luft dem Flamen aber, ohne körperliche Mühe zu mähen. Das ständige Ausholen zum Sensen sei dagegen heftig ins Kreuz gegangen.

Geert Boons zeigt den „Bushcutter“ im Vergleich zu herkömmlichen Geräten
Geert Boons zeigt den „Bushcutter“ im Vergleich zu herkömmlichen Geräten: Der Freischneider mit Druckluftantrieb (gelb) ist kompakter als normale Motorsensen mit Zweitakt-Benzinmotor. Er eignet sich für die Grünpflege in explosionsgefährdeten Bereichen der Chemieindustrie und überall dort, wo andere Antriebsenergien als Luft aus Sicherheitsgründen verboten sind. (Bild: Atlas Copco Tools)

„Der Bushcutter-Einsatz braucht längst nicht auf Gefahrzonen beschränkt zu bleiben“, bekräftigt   der Tüftler Boons, der in dem leiseren Betrieb einen weiteren Vorteil der Druckluftsense gegenüber herkömmlichen Mähwerkzeugen sieht. Außerdem sei die Maschine so gut wie wartungsfrei, das ständige Nachtanken entfalle und Abgase würden auch nicht ausgestoßen. Nickend stimmt Chris Verheyen zu, der nach einem Jahr störungsfreiem Einsatz rundum zufrieden ist. „Mein Wartungsaufwand beschränkt sich darauf, regelmäßig ein paar Tropfen Öl in den Lufteinlass zu geben.“ Das sei nichts verglichen mit den anfälligeren Elektro- oder Benzinmähern.

Gut möglich also, dass der Freischneider mit dem LSS-Antrieb angesichts der guten Praxiserfahrungen kein exotisches Einzelstück bleibt. Als Alternative zum „Ausschlachten“ eines Schleifers hat sich Geert Boons für die Serienproduktion schon einen Standard-Druckluftmotor  ausgeguckt. Einen vom Atlas-Copco-Typ LZB, der sei bei gleicher Leistung noch leichter und arbeite überdies völlig ölfrei.