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Bordmenüs gradgenau zubereitet

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Kalibrierte Temperaturfühler für perfektes Catering über den Wolken

Die Sell GmbH der Zodiac Aerospace Group zählt zu den Weltmarktführern für Flugzeugküchen. Damit die Bordverpflegung aufs Grad genau mit der richtigen Temperatur zubereitet werden kann, überprüfen die Techniker des Luftfahrtzulieferers jeden Winkel der Zubereitungsgeräte. Dafür sind 180 Temperaturfühler erforderlich, die von Atlas Copco Tools regelmäßig vor Ort bei Sell kalibriert werden.

Heborn/Essen, Juli 2015. „Wenn Sie die 550 Passagiere eines Großraumflugzeuges auf einem Langstreckenflug möglichst zeitgleich mit warmem Essen versorgen wollen, braucht das schon eine ausgefeilte Cateringtechnik“, sagt Ralf Lotz aus dem Qualitätsmanagement der Sell GmbH. Das Tochterunternehmen der Zodiac Aerospace Group ist mit seinen Premium- Galleys auf Bordküchentechnik spezialisierter Weltmarktführer: „Es gibt nahezu keine größere Airline, die wir von unseren Werken in Herborn aus noch nicht beliefert haben“, berichtet der Qualitätsmanager. Eine typische Galley ist gekennzeichnet von Arbeitsplatten, Bunwarmer (Aufwärm- bzw. Warmhaltebehälter für Brötchen), Konvektionsöfen, Heißgetränkebereiter und etlichen weiteren Komponenten. Bis zu vier Meter breit sind die Galleys. Ausstattungsmerkmale und Farbgebung variieren je nach Airline; rund 200 Fluglinien werden von Herborn aus beliefert. Allein in einem Superliner wie dem A 380 sind laut Lotz bis zu 20 Galleys installiert.

Zertifizierte Prozesse

Die Qualitätsanforderungen sind hoch: „Allein das Luftfahrt-Bundesamt kommt drei- bis viermal im Jahr zu uns, denn als genehmigter Herstellungs- und Instandhaltungsbetrieb´müssen wir uns vielfältigen Inspektionen unterziehen und nachweisen, dass wir konform mit allen für die Luftfahrt gültigen Sicherheitsvorgaben arbeiten“, erläutert Ralf Lotz. „Hinzu kommen in jedem Jahr vier bis fünf Kundenaudits durch die Flugzeugbauer Boeing und Airbus“, merkt der QS-Verantwortliche an. Bei all den Prüfungen spiele Atlas Copco Tools eine bedeutende Rolle.

Regelmäßige Leistungsnachweise

An Prüfständen in einem Testraum, der sogenannten „Klimakammer“, werden die Galleys einer ganzen Reihe von Qualifikationstests unterzogen. Damit kann das Unternehmen nachweisen, alle Vorgaben der Flugzeugbauer und Behörden einzuhalten. Falls nötig, wird im Rahmen der Messungen ein Feintuning an den Aufback- und Warmhalteöfen, Kaffeemaschinen, Boilern und weiteren Küchenbestandteilen vorgenommen. „Wir sind verpflichtet, alle Messwerte eines Leistungsnachweises für unsere Auftraggeber zu dokumentieren“, erklärt Lotz und zitiert einige Punkte aus der Prüfliste: Luftströmung, Kühlung, Wärmeverlaufskurven, Oberflächentemperaturen. Sämtliche Messwerte und Parameter, die eine Bordküche ausmachen, sind festzuhalten. Die besonders aufwendigen Temperaturmessungen erfordern an die 180 Fühler, die bis in den verstecktesten Galley- Winkel erfassen, ob die jeweils gewünschte Kälte oder Wärme zeitgenau erzeugt und verlässlich gehalten wird. Zudem dürfen die elektrischen Komponenten einer Galley das Gesamtsystem Flugzeug mit seiner sensiblen Navigations-, Steuerungs- und Kommunikationstechnik nicht stören. „Die Sicherheit hat in der Luftfahrt oberste Priorität, darauf achten das Luftfahrt-Bundesamt und die Hersteller! Deren strenge Vorgaben lassen sich aber nur einhalten, wenn jedes einzelne unserer Messmittel genau funktioniert. Dass es so ist, wird uns per Zertifikat von Atlas Copco belegt“, betont Ralf Lotz.

Kalibrierung optimiert

Weil die Zodiac-Premium-Galleys sehr kundenspezifisch („totally customized“) seien und jede Airline eine individuelle Auslegung ihrer Bordküche erwarte, komme man in Herborn auf rund 2500 Lehren und Messmittel, zählt Markus Hirth zusammen. Er ist Prüfmittelbeauftragter der Sell GmbH und erklärt, dass man die mechanischen Prüfmittel, wie etwa Winkelmesser, Prüfdorne und Messlehren, in Eigenregie überprüfe. „Die circa 560 elektrischen und elektronischen Messmittel lassen wir hingegen vom Atlas-Copco- Kalibrierdienst überprüfen.“

Der verfüge mit seinen bundesweit fünf Kalibrierlaboratorien über den nötigen Gerätepark und biete darüber hinaus den Einsatz auch direkt im Herborner Werk an. Die Schnelligkeit und Flexibilität schätzt Markus Hirth besonders: „Heute war für unseren Klimaraum keine Bordküchenmessung vorgesehen. So war der Zeitpunkt für die Kalibrierung der Temperaturfühler ideal, ohne jede Störung unserer Produktionsabläufe.“ Die Kalibrierspezialisten von Atlas Copco konnten ihrerseits ohne Hektik ihr Equipment in diesem Prüfstand aufstellen und ihre Arbeit ungestört beginnen.

Perfekte Temperatursimulation

Was für Außenstehende auf den ersten Blick wie ein verwirrender Kabelbaum aussieht, ist die Anordnung der 180 Temperaturfühler in einer Messkette. Dazu verwenden die Atlas-Copco- Techniker drei Blockkalibratoren. In diesem Fall prüfen sie die Fühler in einer Soll-Ist- Vergleichsmessreihe bei -10 °C, +5 °C und +50 °C auf ihre Genauigkeit. Bereits nach jeweils 30-minütiger Vorwärm- beziehungsweise Vorkühldauer und einer Stabilisierungsphase von weiteren 30 Minuten können die Kalibrierspezialisten alle an den drei Temperaturpunkten gemessenen Temperaturfühler-Werte sowie die Daten ihrer Referenzfühler exakt ablesen und automatisiert in eine Prüfberichtstabelle exportieren. „Diese speichern wir nicht nur einfach weg, sondern besprechen die ermittelten Werte in der Regel direkt am Bildschirm miteinander“, erklärt Hirth das weitere Vorgehen bei einer Vor-Ort-Kalibrierung.

Höchste Genauigkeit

„Sollten wir beispielsweise bei einem Fühler eine zu große Toleranzabweichung entdecken, tauschen wir ihn umgehend aus.“ Das angewandte Messverfahren trage seinen Teil dazu bei, die Abweichungen in engsten Grenzen zu halten. Die etwa durch Kabel, Steckverbindungen und Anzeigegeräte verursachten Störeinflüsse erfasse man gleich mit, weil das System ganzheitlich betrachtet werde.

So ergebe sich gegenüber einer isolierten Einzelmessung eines Temperaturfühlers unter Laborbedingungen ein viel realistischeres und präziseres Bild, bestätigen auch die Atlas- Copco-Techniker. „Genau auf diese wirklichkeitsgetreue Simulation kommt es an. Denn damit können wir unter Beweis stellen, dass die Fühler in einem breiten Temperaturfenster aufs Grad genau funktionieren: beispielsweise bei minus 18 Grad in Gefrierfächern, maximal plus 100 Grad an Geräteoberflächen und bei 210 Grad Ofeninnentemperatur“, lobt Markus Hirth die Kooperation mit Atlas Copco.

Ungewöhnliche Dienstleistungsbandbreite

Diese umfasst über die 180 Temperaturfühler hinaus Hunderte weitere elektrische und elektronische Betriebs- und Messmittel von Sell: „Der Atlas-Copco-Service betreut auch unsere Volt-, Hertz-, Ampere- und (Micro-)Ohmmeter, mit denen wir die vielfältigsten elektrischen Messgrößen überprüfen.“ Während Boeing verlange, dass metallische Galley- Oberflächen elektrische Widerstände von 10 Milliohm nicht überschreiten, fordere Airbus pauschal eine Widerstandsmessung aller Metallbauteile, die größer sind als etwa das Format einer DIN-A4-Seite.

Ferner überwacht und zertifiziert Atlas Copco komplette Schaltschränke und ist sogar für die Messinstrumente zur Erfassung von Drücken und Zugfestigkeiten verantwortlich: „Um gegen Turbulenzen im Flugbetrieb gefeit zu sein, müssen unsere Bordküchen in einem ganz speziellen Prüfstand Zugkraftbelastungen von bis zu 30 Tonnen widerstehen“, gibt Markus Hirth einen weiteren Einblick in die Messdisziplinen seines Fachbereichs. Und dass selbst die Messmittel für solche Statik-Tests mit nicht alltäglichen Größen und Einheiten für die routinierten Atlas-Copco-Kalibrierexperten zum Tagesgeschäft zählen, gebe einfach ein gutes Gefühl, findet der Herborner Prüfmittelbeauftragte.

(Autor: Heiko Wenke, Atlas Copco Tools Central Europe)

Hintergrundinfo „Galleys“:

Zodiac-Premium-Galleys sind überall dort zu finden, wo Bordverpflegung schnell und präzise zubereitet werden muss.

Die Sell GmbH ist eines von rund 100 Tochterunternehmen der französischen Zodiac Aerospace Group, die als größter Flugzeuginneneinrichter weltweit gilt. Rund 1600 Mitarbeiter entwickeln und produzieren bei der Sell GmbH in zwei Werken im mittelhessischen Herborn und Herborn-Burg Flugzeugbordküchen. Das Werk Herborn stellt die Galleys her; in Burg werden die Inserts produziert, also Öfen, Kaffeemaschinen, Boiler etc. Mit den Galleys werden Nahrungsmittel temperaturgeführt transportiert, Getränke gekühlt, Speisen erwärmt und verzehrfertig zubereitet

Die Sell-Unternehmensgeschichte begann 1953 mit der Produktion der ersten Galleys für die Deutsche Lufthansa. Bislang kamen fast 50000 Stück dazu, und für 2015 sind etwa 2000 weitere Einheiten vorgesehen. Dank der von den Flugzeugherstellern anerkannt hohen Qualität, individueller Realisierung der Kundenwünsche sowie regelmäßiger Qualifikationsnachweise gegenüber den zuständigen Luftaufsichtsbehörden zählen praktisch alle großen Airlines rund um den Globus zu den Auftraggebern der Sell GmbH (Zodiac Premium Galleys and Zodiac Electrical Inserts Europe). Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in seinem Segment Marktführer im Bereich der Langstreckenflugzeuge und verfügt über Servicestandorte in Seattle sowie in Hamburg und Toulouse. www.sell-interiors.net

Über Atlas Copco

Der Industriekonzern Atlas Copco ist mit seinen Produkten und Dienstleistungen in den Branchen Kompressorenund Drucklufttechnik, Bau und Bergbau sowie Industriewerkzeuge und Montagesysteme weltweit führend. Mit seinen innovativen Produkten und Dienstleistungen bietet Atlas Copco Lösungen für nachhaltige Produktivität. Der 1873 gegründete Konzern hat seinen Hauptsitz in Stockholm, Schweden, und ist weltweit in über 180 Ländern vertreten. 2014 hatte Atlas Copco rund 44000 Mitarbeiter und setzte 10,3 Milliarden Euro um. www.atlascopco.com

Atlas Copco Tools gehört zum Konzernbereich Industrietechnik. Die Geschäftsbereiche Allgemeine Industrie und Fahrzeugindustrie fertigen und vertreiben handgehaltene Elektro- und Druckluftwerkzeuge, Hydraulikschrauber, Montagesysteme, pneumatische Antriebstechnik, Hebezeuge, Software und Zubehör für die Industrie. Mit seinem Geschäftsbereich Service bietet Atlas Copco Tools ein globales Projektmanagement für multinational tätige Kunden sowie umfassende Dienstleistungen an: von der klassischen Reparatur über umfassende Wartungsverträge für die gesamte Fertigungstechnik bis hin zu Kalibrierungen aller Messmittel. www.atlascopco.de


Bild 1: Verwirrend nur auf den ersten Blick: Kalibriertechniker Alaattin Peyker hat 180 Temperaturfühler in eine Messkette gelegt. „Hierdurch betrachten wir die Temperaturfühler als ganzheitliches System und berücksichtigen auch Störeinflüsse durch Kabel, Steckverbindungen und Anzeigegerät.“ Gegenüber einer isolierten Einzelkalibrierung, bei der diese Störfaktoren und etwaigen Abweichungen unberücksichtigt bleiben, ist dieses Verfahren wesentlich genauer. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 2: Bei der Kalibrierung der Temperaturfühler wird jeder Fühler an drei Temperaturpunkten gegengemessen (-10 °C, 5 °C und 50 °C). Dazu verwenden die Atlas-Copco-Techniker die hier im Bild gezeigten Blockkalibratoren. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 3: Ralf Lotz, Qualitätsmanager der Sell GmbH, vor einer im Bau befindlichen Galley: „Nur mit kalibrierten Temperaturfühlern und elektrischen Prüfmitteln können wir sicherstellen, dass die Bordküchen alle Qualitäts- und Leistungsvorgaben erfüllen.“ (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 4: Markus Hirth, Prüfmittelbeauftragter der Sell GmbH (links), und Atlas-Copco-Kalibriertechniker Thorsten Kosempel besprechen die Ergebnisse der Temperaturfühler-Kalibrierung. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 5: „Die Kalibrierung gibt uns direkt Gewissheit über den ordnungsgemäßen Zustand unserer Ausrüstung, ein Zertifikat bestätigt uns das. Viele Geräte brauchen unser Haus nicht mehr zu verlassen“, freut sich Markus Hirth. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 6: Nach erfolgreicher Kalibrierung bringen die Atlas-Copco-Messspezialisten an größeren Prüflingen zusätzlich eine Plakette mit dem nächsten Kalibriertermin an. Außerdem werden die Kunden durch ein webgestütztes Erinnerungssystem mit E-Mails oder SMS auf den entsprechenden Zeitpunkt hingewiesen – der Service von Atlas Copco Tools verwaltet auf Wunsch für Unternehmen alle Prüf- und Messmittel sowie Werkzeuge. Und über den neuen Informationsdienst „Where is my Tool“ lässt sich jederzeit der Status einer Kalibrierung oder Reparatur einfach und bequem online abrufen. (Bild: Atlas Copco Tools)