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Knochenarbeit passé

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Mehrfachschrauber erleichert Radwechsel an Bussen

Für die turnusmäßigen Räderwechsel an ihren 500 Omnibussen setzen die Wiener Linien neuerdings gesteuerte Montagtechnik ein. Der Verkehrsbetrieb vollzog mit mobilen Mehrfachschraubern von Atlas Copco Tools einen Quantensprung und steigerte seine Schraubpräzision deutlich. Die bisherige Knochenarbeit ist passé.

Wien/Essen, Oktober 2014. „Wenn die Busfahrer in den Linienbetrieb starten, können sie sich darauf verlassen, dass die Räder ihrer Fahrzeuge 100-prozentig genau angezogen sind“, versichert Herbert Prascsaics, Oberwerkmeister des Nahverkehrsunternehmens Wiener Linien. Denn die schweren Busräder werden jetzt mit moderner Montagetechnik von Atlas Copco Tools gewechselt – anstelle der bisherigen Schwerstarbeit mit Schlagschraubern und Drehmomentschlüsseln.

Die 81 Mechaniker des Busdepots an der Katharina-Scheiter-Gasse in Wien-Leopoldau freuen sich sehr, dass ihre Arbeit erheblich einfacher geworden ist. „Doch neben den zahlreichen ergonomischen Vorzügen haben wir mit dem mobilen Tensor-ST-Mehrfachschrauber auch im Hinblick auf die Betriebssicherheit einen regelrechten Quantensprung vollzogen“, stellt auch Herbert Payer fest. Der Ingenieur ist für die Instandhaltung im Hinblick auf die Personalplanung sowie die Werkstattausrüstungen aller drei Busdepots der Wiener Linien zuständig: „Ein großer Vorzug ist zum Beispiel, dass der wendige Montagewagen sämtliche Anziehdaten automatisch dokumentiert.“

Über 30 Mal zum Mond und zurück – in einem Jahr

Die rund 500 Standard- und Gelenkbusse der Wiener Linien legen jährlich fast 26 Millionen Kilometer zurück. Das macht mindestens zweimal im Jahr einen kompletten Reifen- und Räderwechsel nötig. Allein für den Regelbetrieb kommen so mindestens 52000 Schraubvorgänge pro anno zusammen – Reparaturen durch Reifenschäden noch nicht berücksichtigt. Bei jedem einzelnen Rad sind zehn Muttern der Schlüsselweite 32 zu lösen und nach dem Wechsel wieder drehmomentgenau anzuziehen. Diese harte Arbeit übernahmen in der Garage Leopoldau früher immer zwei Instandhalter gemeinsam: mit großen Druckluftschlagschraubern, schweren Knickschlüsseln sowie den Fahrzeugprüflisten zum Eintragen aller Arbeiten und Drehmomente.

Drehmomentstarker Schrauber auf fahrbarem Untersatz

Mit dem Ziel höherer Prozesssicherheit trat Herbert Payer an Atlas Copco Tools in Österreich heran: „Unsere Auswertungen ergaben, dass ein automatisiertes Schraubsystem mit Mehrspindeltechnik auch sicherheitstechnisch die beste Lösung ist“, sagt der Ingenieur. Payer hatte dieses Montagekonzept bei einem Nutzfahrzeughersteller kennengelernt und wollte die Technik auf seine Betriebsstätten übertragen. Gemeinsam mit ACE, dem Schraubtechnik-Applikationszentrum von Atlas Copco, erarbeitete man eine innovative Lösung, die von den Leopoldauern inzwischen sehr geschätzt wird. Die Kombination aus drehmomentstarkem Mehrfachschrauber mit Tensor-ST-Spindeln und flinkem Fahrwerk schuf ein flexibles Montagesystem, das heute alle Radverschraubungen präzise ausführt.

Werkstättenleiter Prascsaics wendet sich zu einem MAN-Gelenkbus, den hydraulische Hebevorrichtungen soeben eine knappe Handbreit aufgebockt haben, um die genaue Funktionsweise zu erläutern. Einer seiner Mitarbeiter fährt den Montagewagen an die Hinterachse des Omnibusses und scannt einen Barcode. „Dieser Strichcode oben auf dem Radhaus gibt jeder Achse ihre Identität. Er enthält neben der Fahrzeug-Identifikationsnummer auch Informationen zum Losbrechmoment und zu den Anziehparametern für die zwei Schraubersteuerungen.“

Hochmomentschrauber lösen festsitzende Schrauben spielend

Schnell setzen sich die beiden Tensorspindeln des Typs ETD ST101 mit ihren Schraubenköpfen auf die tief in der Busfelge sitzenden Muttern. Durch üppige Drehmomentreserven von bis zu 1000 Newtonmetern (Nm) sind die ersten zwei Radmuttern im Nu gelöst. Selbst verschmutzte und durch streusalzbedingte Korrosion festsitzende Schraubverbindungen geben dem Schrauber sofort nach. Und weil sich beim Lösevorgang zwei robuste Momentenstützen parallel zu den starken Einbauschraubern über die jeweils benachbarten Muttern an den Stehbolzen des Busses verankern, werden alle Reaktionsmomente direkt am Entstehungsort abgefangen. Das schone Bediener und Ausrüstung im Vergleich zu früher ganz erheblich, heißt es bei den Wiener Linien. Ohne jeden Kraftaufwand für den Mitarbeiter wird der Zwillingsschrauber auf die noch fest sitzenden Muttern umgesetzt, dann wiederholt sich das Losschrauben, und die Felge ist nach wenigen Augenblicken abmontiert.

Schraubsystem zählt montierte Radmuttern mit

Genauso einfach wird das neue Rad mit vollem Reifenprofil aufgezogen: Der Vorgang wiederholt sich in umgekehrter Reihenfolge. Dazu stellt der Bediener das Schraubgefährt durch Tastendruck von Lösen auf Anziehen um. Den Rest erledigt die Technik. Aufgrund der Auswahl des Programms am Wählschalter sowie einer Voreinstellung am Schraubprogramm „wissen“ die beiden Steuerungen im Boden des Montagewagens, dass die zehn Radmuttern auf der hinteren Achse des MAN-Gelenkbusses mit einem Drehmoment von 575 Nm angezogen werden müssen. Das schaffen die zwei Tensoren ganz genau und vergessen durch die integrierte Schraubfallzählung nie eine Verbindung. „Die Zählautomatik gibt Sicherheit“, betont Prascsaics. Ein Gesamt-i.O. (i.O. bedeutet „in Ordnung“) nach dem abgeschlossenen Montagezyklus gebe den Werkern die Bestätigung, dass alles korrekt montiert wurde.

Bemerkenswert findet Prascsaics die Präzision des Tensor-Duos. „Die Anziehtoleranz von plus/minus fünf Prozent ist im Vergleich zu den früher verwendeten Schlagschraubern ein traumhafter Wert.“ Zudem erfasse man nun alle Anziehdaten automatisch und könne sie rückverfolgbar speichern. Annähernd um den Faktor fünf haben die Wiener Linien die Anziehgenauigkeit verbessert. Nach diesen positiven Betriebserfahrungen statteten sie auch ihre anderen beiden Busdepots (die Garagen Spetterbrücke und Raxstraße) mit einem mobilen Tensor-Mehrfachschrauber aus. „Der Betrieb läuft nun reibungslos, qualitätssicher und viel leiser“, resümiert Fahrzeugtechnik-Spezialist Herbert Payer. „Und sollten wir einmal Fragen zur Programmierung neuer Schraubparameter oder Wartungsbedarf haben, ist ein Servicetechniker von Atlas Copco schnell vor Ort!“

Autor: Heiko Wenke


Thomas Preuß

Atlas Copco Tools Central Europe GmbH

Bild 1: Mechaniker Otto Nemeth bringt den Zweifachschrauber zum Radwechsel in Position. Zusätzlich zu den beiden Schraubspindeln sind hier gut die beiden Gegenhalter zu sehen, die bei der Montage die entstehenden Reaktionsmomente abfangen. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 2: Nachdem der Mitarbeiter den Barcode an der Karosserie über dem Reifen gescannt hat, startet er per Knopfdruck den Schraubvorgang. Die Schraubergebnisse werden dann automatisch der entsprechenden Achse und Fahrzeugseite zugeordnet und gespeichert. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 3: Durch den Einsatz des Tensor-Mehrfachschraubers stieg die Montagequalität – und die Arbeit wurde erheblich leichter. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 4: Auf Knopfdruck führen die beiden Tensor-ST-Stabschrauber den Montageauftrag präzise aus. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 5: „Seit wir die Busräder mit der Montagetechnik von Atlas Copco wechseln, gibt es bei uns keine Knochenarbeit mit lauten Schlagschraubern und schweren Drehmomentschlüsseln mehr“, sagt Oberwerkmeister Herbert Prascsaics von den Wiener Linien. (Bild: Atlas Copco Tools)


Bild 6: Die Wiener Linien haben jährlich über 900 Millionen Fahrgäste. Ihre Busse und Bahnen legen dazu 140 Millionen Nutzkilometer zurück. Die 2006 eröffnete Garage Leopoldau ist eines von drei modernen Busdepots der Wiener Linien, die alle Arbeiten von der Fahrzeug-Außenreinigung über die Instandhaltung bis zu Reparaturen eigenständig ausführen. (Bild: Atlas Copco Tools)