In Deutschland / Presse / Industriewerkzeuge / Perfekter Schliff für 240000-Tonnen-Schaufelräder

Perfekter Schliff für 240000-Tonnen-Schaufelräder

Textdownload


Bilderdownload


Instandhaltung: Neue Gebisse für Braunkohle-Bagger

In ihrem Technikzentrum bei Frechen setzt die RWE Power AG die zur Braunkohlenförderung und -verstromung notwendige Technik instand, zum Beispiel Schaufelradbagger mit Tagesleistungen von bis zu 240000 Tonnen. Überholt werden diese stählernen Giganten mit Turbinen- und Stabschleifern von Atlas Copco Tools.

Frechen/Essen, Juni 2011 – Rund 100 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich liefern die drei Tagebaue der Kölner Bucht an die Energiewirtschaft. Dazu setzt die RWE Power AG Bergbau-Hightech ein. Die ist ganzjährig rund um die Uhr im Einsatz, um die Kraftwerke der Region jederzeit mit genügend Kohle zu versorgen.

Angesichts der gewaltigen Fördermengen bleibt ein Verschleiß an den Großaggregaten nicht aus, weshalb die RWE Power AG ein eigenes Technikzentrum betreibt. „Diese Zentralwerkstatt führt Überholungs- und Reparaturarbeiten als Dienstleister für die Tagebaue aus“, erläutert Thomas Willems, Meister in der Abteilung Werkzeug- und Maschinenservice. Der Maschinenbautechniker ist einer von rund 700 Beschäftigten des Technikzentrums, die mit professioneller Instandhaltungsarbeit ihren Beitrag für Energiesicherheit leisten. Er führt durch den Betrieb: Seine ausladende Handbewegung lenkt den Blick in eine weitläufige Werkhalle, in der allerorten geschliffen, geschweißt, geschruppt, geschmirgelt, gebohrt und geschraubt wird. Hinter einem transparenten Gummivorhang steigen meterhohe Funkenfontänen in den Werkstatthimmel.

„Zahn-OP“ im Großformat

An der Quelle des Funkenschweifs arbeitet Karl-Heinz Worzischek mit einem GTG-Turbinenschleifer von Atlas Copco Tools. Der Reparaturschlosser führt geradezu spielend seine 4,5 Kilowatt (kW) starke GTG 40 über Rundungen und Kanten einer übergroßen Baggerschaufel. „Die war nach mehreren Jahren Einsatz verschlissen und erhält eine Verjüngungskur“, sagt Worzischek, der mit dem gelben Schleifer Schweißnähte vorbereitet und beischleift.

In jeder der hier aufgereihten 5,6 t schweren Schaufeln hätte locker ein Mittelklasseauto Platz. Achtzehn von ihnen werden wieder zu einem Schaufelrad zusammengesetzt, doch zuvor müssen Verstärkungen aufgetragen und beigeschliffen werden. Für das Schruppen dieser Aufpanzerungen sind die GTG-Turboschleifer gegenüber konventionellen Schleifmaschinen durch ihren deutlich höheren Materialabtrag besonders gut geeignet. Der integrierte Drehzahlregler hält die Schnittgeschwindigkeit laut Atlas Copco selbst bei starkem Andruck auf das Bauteil konstant hoch. Das geringe Gewicht von nur 3,8 kg erleichtert das Handling zusätzlich, so zum Beispiel bei Arbeiten über Kopf.

Das fertig überholte „Baggergebiss“ wiegt komplett rund 155 t und kann mit seinen 21 m Durchmesser bis zu 240000 t Abraum oder Kohle pro Tag baggern. Das sei Weltrekord, erläutert Thomas Willems nicht ohne Stolz. Doch bis dieser Schaufelradbagger seine kolossalen Reißzähne erneut ins Kohlenflöz graben kann, sind noch einige Überholungsschritte nötig. Das Fahrwerk von Bagger 287 hat schon fast ein halbes Jahrhundert Dienst getan. Eine grundsolide Nietkonstruktion aus einer Zeit, als das Schweißen im Schwermaschinenbau noch wenig verbreitet war. Die Substanz ist trotz des harten Einsatzes und Alters sehr gut. Deshalb sei eine Verjüngungskur viel kostengünstiger als ein teurer Neubau, versichert Willems. „An diesem Fahrwerksträger sind neben einem frischen Anstrich lediglich neue Lagerbuchsen erforderlich“, lautet sein fachmännisches Urteil, „und deren Sitz schleifen wir mit LSF-Stabschleifmaschinen aus.“ Im Gegensatz zu ihren großen GTG-Geschwistern mit Turbinenherz treibt hier ein Lamellenmotor den Schleifeinsatz an, doch auch die LSF-Modelle verfügen bei Motorleistungen bis 1,35 kW über einen Drehzahlkonstantregler.

Gute Ergonomie durch ruhigen Lauf

Durch die gleichbleibende Drehzahl wird ein gutes, ebenmäßiges Schliffbild erzielt. Neben der konstant hohen Leistung ist die eingebaute Pendellagerung des Werkzeugs eine zweite Besonderheit. Ihre Dämpfungselemente koppeln den Handgriff vom Motorblock ab, was die Vibrationsbelastungen beim Schleifen massiv senkt. Unschädliche Werte von unter 2,5 m/s² werden so erreicht, und die Vorgaben der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (entstanden aus der EU-Vibrationsschutzrichtlinie 2002/44/EG) fühlbar unterschritten.

Ein willkommener Effekt über die gute Werkzeugergonomie hinaus: Die Standzeit der Schleifstifte, Fräser oder Schmirgeleinsätze verlängert sich durch den ruhigeren Lauf um bis zu 30 %.

Luft schafft Sicherheit

Warum aber kommen ausschließlich Druckluftwerkzeuge zum Einsatz? „Im Stahlbau gibt es immer Grate und scharfe Kanten an den Werkstücken“, klärt Werkstattmeister Thomas Willems auf, „die sind Gift für die Isolier-Ummantelung von Stromkabeln.“ Zu schnell würde die sich an der abrasiven Werkstückoberfläche durchscheuern, zu hoch sei die Gefahr eines Stromschlags für den Mitarbeiter. „So ein Risiko schließen Druckluftschleifer aus, und sie sind generell leistungsstärker und langlebiger.“

Eine logistische Meisterleistung ist der Wiederzusammenbau der fertig überholten Komponenten aus dem Technikzentrum zu einem Schaufelradbagger in der rauen Umgebung des Tagebaus. Und wenn die RWE-Spezialisten das Techno-Puzzle aus zahllosen Stahlteilen, Seilen, Motoren und Getrieben wieder zu einem imposanten Stück Technik von 240 m Länge und 96 m Höhe fügen, sind neben Mobilkränen, Schwerlastwinden und Sonderfahrzeugen auch wieder Werkzeuge von Atlas Copco mit dabei, beschreibt Thomas Willems die Situation auf dem Montageplatz, zwei-, drei- oder gar vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel.
 
Autor: Heiko Wenke
 
 
 

Über die RWE Power AG und das Technikzentrum Frechen

Das Technikzentrum Frechen ist ein konzerninterner Dienstleister für die Braunkohlentagebaue und Kraftwerke der RWE Power AG. Rund 700 Mitarbeiter sind hier beschäftigt und halten mit ihrer Arbeit die hochmoderne Technik instand. Die RWE Power AG ist die Stromerzeugungssparte im RWE-Konzern, der zu den führenden Strom- und Gasversorgern in Europa zählt. Das Unternehmen ist in der Stromerzeugung, dem Energiehandel sowie dem Transport und dem Vertrieb von Strom und Gas tätig. Über 70.000 Mitarbeiter versorgen mehr als 16 Millionen Kunden mit Strom und rund 8 Millionen Kunden mit Gas. Im Geschäftsjahr 2009 erwirtschaftete RWE einen Umsatz von rund 48 Mrd. Euro. Zum Aufbau neuer klimaschonenderer und flexibler Erzeugungskapazitäten investiert RWE mehrere Milliarden Euro in Kraftwerke, Netze und Tagebaue, davon über 1 Mrd. Euro in erneuerbare Energien, hauptsächlich in Windkraft und Biomasse. Mehr Informationen unter www.rwe.com



An einen Bekannten senden DruckenSoziale Netzwerke

 

Bild 1: Nach mehreren Jahren Einsatz war diese Baggerschaufel verschlissen. Mit einer Turbinenschleifmaschine des Typs GTG 40 erhält sie eine Verjüngungskur. (Foto: Atlas Copco Tools)


Foto 2: Am Fahrwerksträger wird mit LSF-Stabschleifmaschinen gearbeitet. Der Sitz der Lagerbuchsen wird fachmännisch ausgeschliffen. (Foto: Atlas Copco Tools)


Foto 3: Thomas Willems, Meister in der Abteilung Werkzeug- und Maschinenservice, setzt bei der Überholung von Schaufelradbaggern Turbinen- und Lamellenschleifmaschinen von Atlas Copco ein. (Foto: Atlas Copco Tools)


Bild 4: Der integrierte Drehzahlregler hält die Schnittgeschwindigkeit der GTG-Turboschleifer selbst bei starkem Andruck konstant hoch. Aus dem geringen Gewicht von nur 3,8 kg holt die Maschine 4,5 kW Leistung. (Bild: Atlas Copco Tools)


Perfekter Schliff für 240000-Tonnen-Schaufelräder